Diabetes-Blog: Matthias Steiner bei VOX-Sportlersendung „Ewige Helden"

Kraftausdauerspiele und Diabetes Typ1 - eine Herausforderung der besonderen Art

Ankunft in Spanien mit Sven Hannawald und Andrea Burke

Jetzt ist es offiziell: Matthias Steiner, Olympiasieger im Gewichtheben,  macht mit bei der vierten Staffel der Sportler-Doku „Ewige Helden“ auf VOX, bei der ehemalige Spitzenathleten gegeneinander antreten. Ausgestrahlt wird die Staffel im Frühjahr 2019, aber gestern, am 05.09.2018 sind die Kandidaten bereits nach Andalusien/Spanien geflogen, um die insgesamt acht Sendungen aufzuzeichnen. In seinem Diabetes-Blog erzählt Matthias, welche Herausforderung auf ihn wartet:

Die Dreharbeiten zu „Ewige Helden“ werden für mich eine extrem spannende Zeit werden. Zum einen trete ich gegen großartige ehemalige Leistungssportler an. Skispringer Sven Hannawald ist dabei, ebenso Biathletin Andrea Burke ehemals Henkel, Fechterin Britta Heidemann, Boxerin Susi Kentikian, Handballerin Nadine Krause und zwei noch extrem gut trainierte Jungs, die gerade erst ihre äußerst erfolgreiche aktive Laufbahn beendet haben, Eishockeyspieler Christian Ehrhoff und Bobsportler Kevin Kuske. Alles beeindruckende Persönlichkeiten, die großartige Erfolge gefeiert haben. Jedem traue ich den Titel zu.

Neben der sportlichen, ist mein Typ1-Diabetes meine persönliche Herausforderung

Es wird definitiv eine sportliche Herausforderung, aber meine persönliche und für mich größere Herausforderung wird mein Diabetes-Management sein. Ich nenne meinen Diabetes ungern Gegner, eher meinen ständigen Begleiter, aber in diesem Fall ist er mein Gegner, denn ich kann aktuell überhaupt nicht einschätzen, wie sich mein Blutzucker bei den Spielen verhalten wird.

Als Gewichtheber konnte ich jahrelang Erfahrungen sammeln, wie mein Zucker auf die unterschiedlichsten Situationen im Training und auch im Wettkampf reagiert, wo ja noch Adrenalin dazu kommt, das den Stoffwechsel zusätzlich durcheinanderwirbelt. Am Wettkampftag war es wichtig, dass ich meine Werte bereits Stunden vor dem Wettkampf im Griff hatte, damit sie währenddessen stabil waren. Denn waren sie eine Stunde davor zu niedrig, konnte es passieren, dass ich die Situation falsch einschätzte und zu viel aß und der Zucker dann hochschnellte. Das waren dann die Wettkämpfe, bei denen ich meist keine guten Ergebnisse erzielte, weil ich die hohen Werte so schnell nicht gesenkt bekam. Es ist mir aber auch immer mal wieder passiert, dass ich zuvor zu viel Insulin gespritzt hatte und ich meine Werte bis zum Wettkampf nicht mehr rechtzeitig stabilisieren konnte. Aus diesen Erfahrungen habe ich gelernt.

Gewichtheben ist eine Schnellkraftsportart, bei der mit explosivem maximalen Krafteinsatz die Hantelstange beschleunigt und zur Hochstrecke gebracht wird. (Foto: Annette Mueck)

Gewichtheben ist eine Schnellkraftsportart. Mit einem explosiven maximalen Krafteinsatz muss die Hantelstange beschleunigt und zur Hochstrecke gebracht werden. Hier ist es wichtig, exakt zum Zeitpunkt des Versuches gute Werte zu haben und das auch nur für maximal 20 Sekunden, denn länger hat man die Hantel nicht in der Hand. Ein Wettkampf besteht aus den Disziplinen Reißen und Stoßen und hier hat man jeweils 3 Versuche. Es war also für mich relativ gut vorhersehbar.

Bei „Lets Dance“ und „Schlag den Star" hatte ich meine Blutzuckerwerte im Griff

Nach Beendigung meiner aktiven Sportlerlaufbahn habe ich immer wieder die sportliche Herausforderung gesucht, um es mir, aber auch meinem Diabetes zu beweisen. Bei TV-Sendungen wie „Let’s Dance“ hatte ich meinen Zucker meist gut im Griff. Im Training legte ich einfach längere Pausen ein, wenn meine Werte zu tief waren. Bei den Live-Sendungen wusste ich ja schon früh genug, wann ich mit unserem Tanz dran war und der dauerte maximal 3 Minuten. Das bekommt man mit 18-jähriger Diabeteserfahrung hin.

Selbst bei „Schlag den Star“ ging es ganz gut, auch wenn die Sendung über 5 Stunden dauerte. Dort gab es zwar mehrere Kraftausdauerspiele, aber danach war ein Geschicklichkeits- oder Ratespiel dran, so hatte mein Körper genügend Zeit sich zu erholen.

Ich hatte aber schon Sendungen, wo es nicht so gut lief: 2014 in der ZDF-Sendung "Sing wie dein Star" musste ich LIVE das Lied  "I would do anything for love" von Meat Loaf singen und war natürlich mega aufgeregt. Deshalb waren meine Werte erhöht. Ich spritzte kurz vor dem Auftritt noch eine Kleinigkeit Insulin. Als ich gerade auf die Bühne sollte, gab es technische Probleme, die Aufzeichnung wurde unterbrochen. Ich merkte recht schnell, dass ich zu viel Insulin gespritzt hatte und fragte, wann es denn weiter gehe. Keiner konnte mir eine Antwort geben. Schließlich bekam ich Unterzucker, bat um etwas Süßes, doch das konnte nicht schnell genug besorgt werden. Dann ging plötzlich alles ganz schnell. "Matthias, es geht weiter, du musst jetzt auf die Bühne". Wie benommen habe ich dann irgendwie meinen Auftritt hinter mich gebracht... Leider ist es Menschen, die keine Erfahrung mit Diabetes haben, schwer zu vermitteln, wie man sich während und kurz nach einer Hypo fühlt.

Die große Herausforderung bei „Ewige Helden“ - wenn man die vergangenen Staffeln betrachtet – wird für mich sein, dass die meisten Spiele Kraftausdauerspiele sind und an einem Tag mehrere Spiele stattfinden. Für meinen Blutzucker bedeutet das, dass ich ihn über einen längeren Zeitraum, den ich vorher noch nicht abschätzen kann, im Griff haben muss. Dazu kommt, dass jeden Tag von morgens bis abends gefightet wird. Zwar gibt es nach 4 Tagen einen Tag Pause, aber reicht dieser eine Tag aus, um sich körperlich zu erholen?

Meine Diabeteshelfer: Langzeit-CGM-System Eversense XL, Blutzuckermessgerät und Insulinpumpe 

Seit einigen Monaten nutze ich das Langzeit-CGM-System Eversense XL, mit dem ich im Alltag sehr zufrieden bin. Es misst permanent meine Glukosewerte, die ich via Smartphone immer im Blick habe. Ein Vibrationsalarm direkt am Körper warnt mich vor Hyper- und Hypoglykämien. Auch beim Sport hatte ich bis dato noch keine Probleme. Selbst wenn ich schwitze hält das Pflaster des Transmitters. Aber meine sportlichen Aktivitäten sind nicht mit dem zu vergleichen, was mich jetzt bei "Ewige Helden" erwartet. Ich trainiere beispielsweise nur noch einmal die Woche Gewichtheben und dann für maximal 1 Stunde. Und auch sonst bin ich nur noch moderat sportlich unterwegs.

Als Diabetiker muss man immer einen Koffer voll Diabetikerbedarf mitnehmen.

Ich bin schon sehr gespannt, wie sich das CGM-System verhält, wenn ich den ganzen Tag aktiv bin. Zeigt es mir bei extremer körperlicher Betätigung rechtzeitig eine Hypo an?! Um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich mein Blutzuckermessgerät eingepackt, das ich ohnehin zum täglichen Kalibrieren benötige. Auch wird es Spiele geben, im Wasser zum Beispiel, wo ich den Transmitter ablegen muss. Er ist zwar bis zu 1m Wassertiefe wasserfest für 30 Minuten, aber ich möchte ihn nicht im offenen Meer verlieren. Ich habe auf jeden Fall den halben Koffer voll mit Diabetes-Utensilien: Insulin, Katheder und Cartridgesystem für meine Insulinpumpe, auch eine Reservepumpe (die man sich ja z. B. für Urlaube ins Ausland leihen kann), Pflaster für den Transmitter, Blutzuckermessgerät, diverse Messkassetten für eben jenes, einen Pen und ein Glukagon- Notfallset . Ach ja und natürlich jede Menge Datteln, Traubenzucker und sonstigen Süßkram, damit ich immer etwas griffbereit habe.

Habt ihr Erfahrungen mit Kraftausdauersport? Mit welchen Werten sollte man in ein Spiel starten? Regeneriert sich der Körper wieder oder muss ich nachts mit Hypos rechnen? Würde mich über Ratschläge aber auch über Feedback auf facebook freuen.